Jetzt online: Der neueste Band der Kieler Notizen zur Pflanzenkunde steht zum Download bereit.
Vorwort
Liebe Freudinnen und Freunde der Botanik,
dieses Heft ist dem Gedenken an Peter Schlottmann gewidmet. Nicht nur als profunder Kenner der Obstgehölze und Botanik-Urgestein des Lauenburgischen, sondern auch als unermüdlichen Unterstützer der AG Geobotanik wird er uns im Gedächtnis bleiben. Unvergessen die Begeisterung, mit der er von seinem Spezialgebiet zu berichten wusste, den Pflaumen.
Lange Jahre war die Projektreihe „Hotspots der Artenvielfalt“ in Kooperation mit und gefördert vom Land Schleswig-Holstein eine wichtige Stütze des Lebensraums- und Artenschutzes in Schleswig-Holstein. Hier wurden pflanzenartenreiche Lebensräume gezielt untersucht und dann zusammen mit regionalen AkteurInnen Schutzmaßnahmen angeschoben. Der leider letzte „Hotspot“ in der Reihe sind die Kiesgruben im Raum Damsdorf und Blunk in Kreis Segeberg, in Zusammenarbeit mit dem sehr aktiven Verein Blunkerbach e. V., der unter anderem eine „eigene“ kleine, aber sehr artenreiche Kiesgrubenfläche betreut. Wir danken dem Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur für die langjährige gute Zusammenarbeit.
Küstenheiden an der Nordseeküste sind ein typischer Lebensraum des Nordens. Wie aber sieht die Zukunftsprognose für diesen Vegetationstyp im Klimawandel aus? Ganz entscheidend hierfür ist die Trockentoleranz der lebensraumprägenden Zwergstraucharten Besenheide und Krähenbeere, die Ramona Ressel und ihr Team eingehend untersucht haben.
Ansaaten mit herkunftstreuem Saatgut sind heute aus dem Naturschutz nicht mehr wegzudenken und werden insbesondere in Schleswig-Holstein von vielen Institutionen intensiv betrieben. Genauso wichtig ist jedoch die Erhaltung artenreicher Spontanvegetation und artenreicher Strukturen in unserer Landschaft, auch wenn diese auf den ersten Blick oft nicht so spektakulär blütenbunt daherkommen. Außerdem sollte die Vernichtung spontan artenreicher Lebensräume wie alte Scherrasen zugunsten von Blühmischungs-Einsaaten unbedingt vermieden werden. Erik Christensen liefert hierfür einen wichtigen Denkanstoß: ein Text den jede/r PraktikerIn kennen sollte.
Die Erforschung von Neophyten ist eine kontinuierliche Aufgabe, der sich Jürgen Hebbel und Irene Timmermann-Trosiener verschrieben haben. Sie versorgen uns auch in diesem Heft wieder zuverlässig und mit großer taxonomischer Expertise mit den neuesten Funden aus der Welt der Unbeständigen und Neubürger unserer Flora.
Flechten sind aussagekräftige Indikatoren für alte Wälder, haben aber meist den Nachteil der schwierigen Erkennbarkeit. Patrick Neumann schafft mit seinem reichlich bebilderten Artikel einen profunden Überblick zu indikatorisch bedeutsamen Flechtenarten und wird den einen oder die andere dazu ermutigen, sich näher mit dieser faszinierenden Gruppe zu beschäftigen und damit wertvolle Kenntnisse zur ökologischen Wertigkeit unserer Wälder zusammenzutragen. Außerdem bringen wir seine bemerkenswerte Flechten-Flora seines Wohnortes Bordesholm mit der derzeit landesweit längste Artenliste mit mehr als 370 (!) nachgewiesenen Taxa.
Interessante Einblicke in die Tätigkeit früherer Botaniker bieten historische Herbarbelege. Martin de Jong bringt einen Überblick über die Belege aus dem Herbarium Gießen von 1871-1930, die aus schleswig-holsteinischen Privatsammlungen stammen. Es handelt sich teils um Seltenheiten, die heute längst verschwunden sind.
Zu guter Letzt folgt eine Übersicht über die weiße Form der roten Taubnessel in Norddeutschland von Gregor Stolley, verbunden mit dem Aufruf, diese seltene Form zu melden.
Viel Vergnügen beim Lesen!
Katrin Romahn
Herausgeberin

